Olfen bleibt auch weiterhin schuldenfrei, Investitionen bleiben unberührt

An dieser Stelle hält die CDU Olfen die Rede ihres Bürgermeisters Josef Himmelmann anläßlich der Einbringung des Haushaltsentwurfes 2010 in den Rat vor.

Haushaltsrede des Bürgermeisters Josef Himmelmann
"Wir können umsichtig und mit guten Perspektiven weiterarbeiten"


Einbringung des Haushaltes 2010

Wir können umsichtig und mit guten Perspektiven weiterarbeiten

Meine Damen und Herren,
das Haushaltsjahr 2010 ist unser zweites Jahr, in dem wir doppisch buchen.

Bei der Einbringung der kameralen Haushalte habe ich stets einen kurzen Rückblick auf das vorherige Haushaltsjahr gehalten. Endgültige Zahlen über den Jahresabschluss 2009 kann ich Ihnen noch nicht mitteilen, da in der Kämmerei zurzeit noch haushaltsjahrübergreifend gebucht wird.

Sicherlich steht fest, dass die Rezession mit den verbundenen Einnahmeausfällen auch Olfen  getroffen hat. Sie haben sich auf der Ertragsseite in 2009 bereits negativ bemerkbar gemacht.

Bei den Gewerbesteuereinnahmen, beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, bei den Ausgleichszahlungen nach dem Familienlastenausgleich sowie bei dem gemeindlichen Anteil an der Umsatzsteuer sind Einnahmeausfälle von über 650.000 Euro zu verzeichnen.
Meine Damen und Herren,
dennoch werden wir besser abschneiden, als dies die negativen Außenwirkungen von 650.000 Euro vermuten lassen. Der Ergebnisplan wird trotz der Einnahmeausfälle voraussichtlich mit einem kleinen Überschuss abschließen, so dass die Ausgleichsrücklage für 2009 nicht in Anspruch genommen werden muss. Ein sehr gutes und selten anzutreffendes Ergebnis.

Ganz ausdrücklich gilt mein Dank allen, die an dem positiven Ergebnis ihren Anteil haben. Dies gilt in gleichem Maße auch für die von außen kaum sichtbare Arbeit an der Eröffnungsbilanz und der gesamten Umstellung. Hier muss ich der Verwaltung enorme Leistungen abverlangen. Danke für die gute Arbeit, die hier sehr flexibel geleistet wird.

Nun aber zu dem Haushaltsentwurf 2010.

Der NKF-Haushalt ist wie im Vorjahr in insgesamt 16 Produktbereichen mit 61 Produkten aufgeteilt worden. Wir haben nur wenige Verschiebungen zwischen den Produkten vorgenommen, so dass schon ein relativ guter Überblick bei dem Zahlenvergleich mit dem Vorjahr möglich ist.

Lassen Sie mich zunächst die finanzpolitischen und konjunkturellen Gesamtströmungen für die Gemeinden in Deutschland darstellen:
Die positive Finanzentwicklung aus dem Vorjahr, die wie Ihnen noch im doppischen Produktplan, im Ergebnis- und Finanzplan aufzeigen konnten, ist auf Grund der aktuellen Steuerschätzungen nicht mehr aufrecht zu halten.

Auf der Ertragseite tritt ein doppelter Effekt ein: Neben den steuerlichen Einbußen sind hohe Einnahmeverluste bei den Schlüsselzuweisungen hinzunehmen. Eine denkbar schlechte Konstellation, die für 2010 kennzeichnend ist.

Auf der Aufwandsseite versucht der Kreis, seine Ertragsverluste, die auch er durch die Rezession hinnehmen muss, über eine erhöhte Kreisumlage auszugleichen. Seine enorm von Soziallasten geprägten Ausgaben wachsen, während seine von der wirtschaftlichen Entwicklung geprägten Erträge sinken. Er hat dasselbe Dilemma wie wir. Auch die Tarifvereinbarungen sowie die anstehenden Tarifverhandlungen werden die Personalkosten deutlich erhöhen.

Der Bund versucht, die Strukturkrise durch steuerliche Entlastungen zu überwinden. Unsere Steuereinnahmen sinken. Diese zusätzlichen steuerlichen Entlastungen durch die Bundesregierung, die geringere Beteiligung des Bundes zur Finanzierung der Kosten der Unterkunft für Leistungen nach dem SGB II (von 26 % in 2009 auf 23,6 % in 2010), erschweren eben die Haushaltsausgleiche der Kommunen. 2010 ist ein ganz schwieriges Jahr für alle Kommunen, weil diese unglückliche Konstellation eintritt.

All diese Vorgaben finden ihren Niederschlag auch im Olfener  Haushalt. Aber wir wollen nun mal nicht klagen.

Der Ihnen vorliegende Entwurf, meine Damen und Herren, sieht im Ergebnis einen Gesamtbetrag der Erträge von 17.659.300 Euro und einen Gesamtbetrag der Aufwendungen von 19.075.900 Euro vor. Somit weist der Haushalt 2010 eine Unterdeckung von 1.416.600 Euro aus, die wir über unsere Ausgleichsrücklage ausgleichen müssen, man kann auch sagen, wir können die Lücke aus liquiden Mitteln schließen, wir nehmen keine Kredite auf, Olfen bleibt schuldenfrei. Soweit die Eckpunkte.
Nunmehr komme ich zu einigen Details:
Die Stadt Olfen erhält aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz 2010 Schlüsselzuweisungen in Höhe von 3 Mio. Euro. Gegenüber dem Vorjahr sind Mindereinnahmen über 500.000 Euro hinzunehmen. Die Finanzausgleichsmasse im Steuerverbund 2010 hat sich gegenüber dem Vorjahr um 4,9 % auf 7,7 Mrd. Euro gemindert. Durch die Verringerung der aufzuteilenden Schlüsselmasse sowie durch die um 4 % gestiegene, eigene Steuerkraftmesszahl, erhält Olfen für 2010 rund 13,4 % niedrige Schlüsselzuweisungen aus dem Landeshaushalt. Dass die Steuerkraft Olfens wiederholt gestiegen ist, ist ja positiv, wirkt sich aber mit niedrigeren Schlüsselzuweisungen aus.

Die höchste Ertragsposition ist wie bereits im Vorjahr der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer. Auch bei dieser Position müssen wir mit deutlichen Einnahmeverlusten rechnen. Auf Grund der aktualisierten November-Steuerschätzung wird sich das gemeindliche Aufkommen, nach einem Rückgang in 2009 von rd. 5,3 %, um weitere 8,9 % nach unten bewegen. Die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, einhergehend mit den beschlossenen Steuerentlastungen für 2010, führen dazu, dass sich das städt. Aufkommen von vormals 4,0 Mio. Euro auf 3,5 Mio. Euro reduzieren wird.

Meine Damen und Herren, allein durch diese beiden Einzelpositionen verliert der städt. Haushalt für 2010 bereits über 1 Mio. Euro an Einnahmen.

Die größte Ausgabeposition stellt wie in jedem Jahr die Kreisumlage dar. Der Entwurf des Kreishaushaltes sieht eine Anhebung der Hebesätze um 8,64 % vor. Danach müssten wir 57 % unserer eigenen Steuereinnahmen und Schlüsselzuweisungen an die Kreisverwaltung abführen. Zur Zahlbarmachung der Kreisumlage müsste Olfen einen Betrag über 6.975.000 Euro bereitstellen. Einen weiteren Betrag über 350.000 Euro ist für die 50%ige Spitzabrechnung der Leistungen nach dem SGB II für Unterkünfte und Heizung bereitzuhalten. Insgesamt 525.000 Euro müsste Olfen zusätzlich für den Kreis in den Haushalt einstellen, würde er so wie eingebracht beschlossen.

Für Personal- und Vorsorgeaufwendungen, meine Damen und Herren, haben wir in 2010 einen Betrag von 3,7 Mio. Euro bereitgestellt. Neben den Rückstellungen für Beihilfen und Pensionen, die sich auf 137.800 Euro erhöhen, belasten höhere Aufwandszahlungen für die Versorgungskasse sowie die bereitzustellenden Beihilfeverpflichtungen den Personaletat. Die für 2010 beschlossenen Besoldungserhöhungen sowie die anstehenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst sind bei der Veranschlagung der Personalkosten berücksichtigt worden.

Meine Damen und Herren,

die durch die Bundesregierung bereitgestellten und von der Landesregierung weitergeleiteten Mittel aus dem Konjunkturpaket II, die für Olfen mit einem Gesamtbetrag über 1.2 Mio. Euro ausgewiesen wurden, sind in voller Höhe in den Haushalten 2009 und 2010 eingestellt worden. Nachdem bereits in 2009 erfolgreich die Maßnahmen an der Gesamtschule mit einem Gesamtbetrag von 300.000 Euro durchgeführt wurden, stehen für das Jahr 2010 weitere Maßnahmen an. Dem HFA wird eine Liste zur Beschlussfassung vorgelegt werden, die etwa folgende Punkte umfassen wird:  Sanierungsmaßnahmen an der Grundschule, Heizungsanlage Gesamtschule und Ballsporthalle, W-Lan Einrichtung an Grund- und Gesamtschule, Ausstattung der Grundschule mit Laptops, Fernüberwachung der Heizungen in den Schulen, Sanierung von Wirtschaftswegen, Schaffung des Wasserspielplatzes am Naturbad, und  Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses.

Der Finanzplan für die städt. Investitionstätigkeiten sieht Einzahlungen in Höhe von 3,7 Mio. Euro und Auszahlungen über 6,7 Mio. Euro vor.

Somit errechnet sich für 2010 ein Finanzmittel-Fehlbetrag unter Berücksichtigung des Fehlbetrages aus der Ergebnisrechnung von rd. 3,0 Mio. Euro, der aus den dafür angesparten liquiden Mitteln gedeckt werden muss oder kann. Sie liegen z.Zt. bei ca. 6 Mio. Euro.

Die zahlreichen städt. Investitionen, die wir 2010 vorgesehen haben, möchte ich Ihnen stichwortartig mitteilen:

  • Baukosten Feuerwehrgerätehaus    200.000 Euro
  • Erweiterung der Schießanlage Hoddenstr.     60.000 Euro
  • Neuer Kunstrasenplatz Steverstadion    550.000 Euro
  • Neuer Kunstrasenplatz Vinnum     500.000 Euro
  • Errichtung des Naturerlebnisbades einschl. des
  • Wasserspielplatzes       1.0 Mio. Euro
  • Endausbau der Zufahrt und des Parkplatzes
  • Naturbad         210.000 Euro
  • Baukosten für Entwässerungsleiten allgemein    50.000 Euro
  • Sanierung des Kanalnetzes      145.000 Euro
  • Neubau und Instandsetzung von Wirtschaftswegen 230.000 Euro
  • Beleuchtung der Dreibogen-Brücke      50.000 Euro
  • Instandsetzung von Straßen sowie für Verkehrs-
  • beruhigungsmaßnahmen          70.000 Euro
  • Erschließungskosten Baugebiet Appelstiege   100.000 Euro
  • Erschließungskosten Gewerbegebiet Hafen   400.000 Euro
  • Erschließungskosten Gewerbegebiet Olfen-Ost    50.000 Euro
  • Erschließungskosten Baugebiet ehem. Kanalstadion 200.000 Euro
  • Umgestaltung Marktplatz          50.000 Euro
  • Ankauf von Grundstücken und Gebäuden   500.000 Euro

Damit haben Sie, meine Damen und Herren, einen Überblick über unsere Investitionsvorhaben. Die Finanzierung dieser Vorhaben erfolgt wiederum ausschließlich aus eigenen Finanzierungsmitteln. Auch der Haushalt 2010 wird wiederum ohne neue Kreditaufnahmen aufgestellt.

Wir sind und bleiben eine der wenigen Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die schuldenfrei sind.

Meine Damen und Herren,

einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen, wird auch für Kommunen, die schuldenfrei sind, immer schwieriger. Bei genauer Betrachtung des Ergebnisplanes werden Sie feststellen können, dass sich der Fehlbetrag in den weiteren Finanzzeiträumen deutlich verringern wird. Wir sind verhalten optimistisch, dass wir die Ausgleichsrücklage nur vorübergehend in Anspruch nehmen müssen. Unser gemeinsames Ziel muss heißen: der Ergebnisplan ist ausgeglichen.

Gestatten Sie mir noch einige grundsätzlichere Ausführungen zur Situation Olfens:

Im westfälischen, sehr soliden Münsterland gibt es sie noch: Wenige Städte, in denen seit Jahrzehnten der Haushalt ausgeglichen, die Schulden abgebaut und die laufenden Ausgaben gut im Griff sind. Kaum jemand hier hat erwartet, dass sich das 2010 ändern würde.

Und nun das: Die WN titelt: Das Münsterland ist so klamm wie noch nie! In den Haushaltsentwürfen  aller Gemeinden tauchen große Defizite aus.
Wo liegen die Gründe für diese enorme Schieflage? Sie kommen überwiegend von außen. Es ist das Phänomen, dass gleichzeitig die städt. Steuereinnahmen nahezu flächendeckend sinken, die Schlüsselzuweisungen – und das macht die Besonderheit aus - ebenfalls. Wenn dann in der Konsequenz eigentlich alle Kreisumlagen ebenfalls wachsen müssen, weil wachsende Sozialausgaben den Etat aufblähen, und wenn dann im Bund Steuerentlastungen zugesagt werden und die Beteiligung an den Kosten Hartz 4 gesenkt werden, dann ist die für 2010 typische, enorm brisante Haushaltsproblematik der Kommunen gegeben. Dann trifft es eben alle Gemeinden und Kreise enorm hart. Was sollen und können die Gemeinden dagegen tun? Auch Gemeinden, die seit vielen Jahren ausgeglichene Haushalte hatten, geraten möglicherweise ganz schnell in die Haushaltssicherung. Wenn dieses Phänomen das Münsterland erfasst,  um wie viel stärker wird es dann im Ballungsraum auftreten!

Ist dieses alles nun ein Grund zur Klage? Und was bringt das Klagen überhaupt? Die lauteren Klagen anderer Kommunen sind schon lange in Berlin angekommen. Innenminister Schäuble hat eine Regierungskommission für diesen Monat angekündigt, die sich mit der gründlichen Reform der Kommunalfinanzen befassen soll. Die wievielte ist das wohl?

Macht das Hoffnung? Wenn man die Sensibilität sieht, mit der die Nöte der Hotelbesitzer gelöst wurden, und mit welcher Fähigkeit zu Selbstkritik die Startphase der Koalition als sehr erfolgreich bezeichnet wird, könnten da auch Bedenken aufkommen.
Sei`s drum. Für Olfen bleibt die alte Lehre gültig: Die Lösung kommt nicht von oben, also gehen wir die Aufgaben selbstbewusst und zielstrebig an.
Bei realistischer Betrachtung war es eine zu erwartende Entwicklung, die hier eingetreten ist. Die Ausfälle sind zwar größer ausgefallen und das Ende ist noch nicht erreicht, aber dennoch im Vergleich gesehen werden das Münsterland und auch wir nur abgeschwächt getroffen.
Daneben sind auch völlig ungewohnte für die alte Haushaltsführung nicht bekannte Phänomene festzustellen. So z.B., dass Guthaben auf dem Konto alleine nicht ausreichen. Man muss gute Jahresergebnisse bringen. Nur wenn man sehr auf Folgekosten achtet und schlank aufgestellt ist, wird man dieses erreichen. Liquide Mittel gehen auch dann zur Neige, wenn man über viele Jahre kleine Beträge davon nimmt. Liquide Mittel und Rücklagen geben Sicherheit, geben einen guten Start, aber sind allein keine Garantie für eine gute Zukunft.

Meine Aussage von 2008 und 2009, dass wir Rücklagen für schlechte Zeiten brauchen, um den Olfener Weg auch bei Durststrecken weiter zu gehen, bewahrheitet sich jetzt. Es ist uns in Olfen möglich, ohne Kreditaufnahme die Fortsetzung unserer Investitionen und unserer Maßnahmen zu betreiben. Wir sind in der Lage, in den Kernbereichen Familie, Umwelt und Bildung, weiterhin unseren Weg zu gehen. D.h., die Netbooks als Symbol für beste Bildung, die Steveraue als Symbol für Umweltschutz, der Ansatz Pillefüße als Symbol für Familienpolitik und die Umgehungsstraße als Symbol für wichtige Strukturpolitik sind gesichert und finanziert. Dafür müssen wir keine Schulden aufnehmen. Wir entwickeln uns also in der gemeinsam beschlossenen und für unsere Kinder gute Richtung weiter.
Mancher wird sich fragen, warum uns das möglich ist. Lassen Sie mich einen kleinen Blick zurück in die kamerale Zeit werfen. Hier ist es uns möglich gewesen, sehr häufig freie Spitzen zu erwirtschaften. Sie sind nicht das Ergebnis von reichlichen Einnahmen, sondern gerade auch von ausdauernden Sparerfolgen. Und wir haben diese freien Spitzen eben nicht angesehen als Aufforderung, neues Geld auszugeben, sondern so wie sie eigentlich vorgesehen waren, als Verpflichtung für die Zukunft, sie sicher anzulegen. Dieses umsichtige Vorgehen tut uns heute gut.
In der NKF Zeit ist dieses anders: Aus der freien Spitze ist die Pflicht geworden, Abschreibungen und Rücklagen zu erwirtschaften. Abschreibungen und Rücklagen nannte man früher freie Spitzen, die nur allzu oft unbedacht ausgegeben wurden. Wenn der NKF Ausgleich gelingt, und das ist weiterhin unser Ziel, dann bedeutet das so viel wie sehr große freie Spitzen in der alten Haushaltssituation. Nach alter Systematik hätten wir 2009 etwa eine freie Spitze von knapp 1 Mio. Euro erwirtschaften können. Wir haben das früher geschafft und wir haben die Absicht seitens der Verwaltung, dieses Kriterium in 2012 wieder zu erreichen. Dazu ist es notwendig, auf die eigenen Kräfte zu bauen und dazu ist es notwendig und dass die Bedingungen von außen wieder besser werden. Wenn es nur eine Durststrecke ist, was wir 2010 und wohl noch 2011 erleben, werden wir es schaffen. Ist es Ausdruck dauerhaft ungerechter Arbeitsteilung, haben wir ein Problem. So kann die Arbeitsteilung dauerhaft nicht aussehen. Alle Ebenen müssen sich unbedingt auf eine ganz solide Haushaltsführung besinnen.

Doch nun zurück zu unserer konkreten Situation. Im Jahre 2010 haben die Wirkungen von außen auf die Stadt Olfen sich erheblich verändert. Gewerbesteuer Rückgang 500.000 Euro, Einkommensteuer Rückgang 500.000 Euro, die Schlüsselzuweisungen Rückgang 500.000 Euro Kreisumlage Anstieg - wenn es gut läuft -  220.000 Euro. Dieses macht zusammen etwa 1,7 Mio. Euro aus, die wir in Olfen verkraften müssen. Das ist nicht möglich, ohne die Ausgleichsrücklage, die 4,7 Mio. Euro beträgt, in Anspruch zu nehmen. All diese Punkte sind von uns nicht zu beeinflussen. Sie sind konjunkturbedingt und machen den Ausgleich schwer. Wenn ich Ihnen einen Etat vorlege, der ein Defizit von etwa 1,4 Mio. Euro aufweist, zeigt dieses auf, dass wir unsere eigenen Aufgaben erledigen können, dass wir einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen können. Wir können mit einiger Zuversicht erwarten, dass wir 2010 ein besonders schwieriges Jahr haben und dass im Jahre 2011 wieder eine etwas bessere Ausgangslage eintreten wird. Es bleibt unser Ziel – wie gesagt – 2012 den Ausgleich wieder herzustellen.

Der Weg dahin ist wie der Weg zur Schuldenfreiheit: anstrengend und im Detail nicht populär. Nehmen Sie das Beispiel Schulbau. Die massive Forderung lautete: „Baut eine zweite Grundschule“. Die Analyse und vernünftige Bewertung der Fakten ergab: Es ist nur ein kurzer Schülerberg, der keinen Neubau rechtfertigt. Diese Aussage war nicht populär, man wurde dafür angefeindet, aber sie entsprach der Vernunft.

Solche Situationen werden verstärkt auf uns zukommen. Denn heute heißt es: „Olfen ist doch schuldenfrei, warum erfüllt ihr unsere Wünsche nicht?“
Ich halte dagegen, es ist noch immer daneben gegangen, durch Erfüllung aller Wünsche glücklich und zufrieden zu werden. Erfüllte Wünsche erzeugen neue Wünsche. Also achten wir bitte gemeinsam darauf, was der Verstand und die Vernunft dazu sagen. Am Ende war und bleibt das ein wesentlicher Garant für den Erfolg des Olfener Wegs, der von der Bevölkerung honoriert wird.

Lassen Sie mich ein Fazit ziehen:

Da ist einmal die Sorge über den Verlauf der Konjunktur und die angesprochene Aufgabenverteilung zwischen Bund und Gemeinden. Da ist auf der anderen Seite aber die Überzeugung, dass der Olfener Weg solide ist und dass eine Selbstaufgabe, ein Fatalismus, wie mancher Orts zu beobachten ist, völlig unangebracht ist.  Es ist aber auch klar, dass wir die Schuld nicht auf das System, auf das NKF, abwälzen können, sondern selbst Verantwortung übernehmen müssen. Da ist als nächstes die Perspektive, dass die Schuldenfreiheit in Olfen bleibt und dass ein ausgeglichener Haushalt wiederkommen wird. Das bringt die Notwendigkeit, auf eigene Kräfte zu bauen, sehr auf die Folgekosten zu achten und Spar- und Einnahmemöglichkeiten zu nutzen. Insgesamt stehen wir an einer wichtigen Schlüsselstelle gemeindlicher Entwicklung. Man beobachtet sehr deutlich, wie sich bei den meisten Gemeinden eine Spirale nach unten in Bewegung setzt, immer schneller verläuft und kaum zu stoppen ist. Wir haben die Möglichkeit, dass wir in Olfen davon nicht erfasst werden. Wir haben unsere Entwicklung in der eigenen Hand, wir tragen die Verantwortung und wir können es schaffen.
Lassen Sie mich noch auf eine Besonderheit eingehen: Ich habe oben gesagt, dass wir Sparpotentiale und Einnahmemöglichkeiten realisieren müssen. Bei der Umstellung der Abwassergebühren ergab die Tatsache, dass die städt. Anteile nicht mehr geschätzt, sondern gerechnet worden sind. Die Stadt hat also über die Steuern über Jahre einen zu hohen Anteil im Vergleich zu den Bürgern und Betrieben bezahlt. Das bedeutet ab 2010, dass die Stadt weniger zu zahlen hat und die Bürger und  besonders die Betriebe mehr zu zahlen haben. Der Auftrag seitens des Haupt- und Finanzausschusses bestand nun darin, nach Ausgleichsmöglichkeiten hierfür zu suchen. Es geht uns also nicht darum, möglichst viele Einnahmen für die Stadt zu generieren, sondern gemeinsam Verantwortung mit den Bürgern für die Zukunft dieser Stadt zu tragen. Es ist schwer, hier eine gerechte Ausgleichsmöglichkeit zu finden. Am ehestens scheint es uns sinnvoll, die Gewerbesteuer und die Grundsteuer B zu senken. Die Senkung von Steuern ist sicherlich in dieser Zeit bei den Gemeinden ein sehr unübliches Zeichen. Es ist kein Zeichen von Übermut in Olfen, sondern ein Zeichen von Verlässlichkeit. Wir wollen Bürgern und Betrieben einen gewissen Ausgleich geben. Daher schlagen wir Ihnen vor, die Gewerbesteuer von 403 Punkte auf 395 Punkte zu senken und die Grundsteuer B von 381 auf 360 Punkte. Das bedeutet, dass Bürger und Betriebe eine ganz deutlich bemerkbare Entlastung erfahren, insgesamt handelt es sich um eine Größenordnung von über 120.000 Euro.

Meine Gesamteinschätzung kurz und knapp:

Wir Olfener stehen dank der umsichtigen Ausgabenpolitik eine Durststrecke durch, ohne unsere Ziele aufgeben zu müssen, nämlich die Familien, die Umwelt, die Strukturpolitik, die Bildungspolitik, weiter positiv zu gestalten. Dies alles können wir machen, ohne Schulden zu hinterlassen oder Steuern zu erhöhen, wir können sie sogar senken. Dies geht nur, solange die äußeren Einflüsse eine Durststrecke bleiben. Wir können weiterhin viel für eine gute Zukunft Olfens tun, wenn wir sehr umsichtig und besonnen weiterarbeiten.
Für diese Politik steht Ihre Verwaltung, namentlich Herrn Sendermann, Herrn Limberg und ich

In diesem Sinne wünsche ich uns gute Beratungen des Ihnen vorgelegten Haushaltsplanentwurfes!

Ihr Bürgermeister

Josef Himmelmann
 

 

 

 

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